Entstehung

Die biologische Pflanzenkläranlage in Kürnberg

von Franz Schnetzinger
Mitglied des Vorstandes der AWG Kürnberg

Voraussetzungen

Beim Neubau von Einfamilienhäusern in Kürnberg war die Errichtung von Senkgruben notwendig, um die Hausabwässer zu fangen und regelmäßig zu entsorgen. Durch die Zunahme der Bautätigkeit wurde es notwendig, die Möglichkeit der Kanalisation ins Auge zu fassen. Aufgrund der Entfernung zum Kanalnetz von St. Peter/Au war jede Überlegung, an dieses anzuschließen, wegen der die enormen Kosten immer wieder abschreckend.

Bei den Arbeitskreissitzungen zur „Dorfentwicklung Kürnberg“ wurde die Abwasserbeseitigung für Kürnberg bereits 1998 thematisiert. Seit damals habe ich dezentrale Abwasserbeseitigungssysteme in ganz Österreich mit Interesse verfolgt und Vorträge zu diesem Thema besucht. Im Jahr 2000 berichtete mir der damalige Obmann der Kläranlage Hagenmühle in Oberösterreich vom Bau ihrer genossenschaftlichen Pflanzenkläranlage. Diese wurde mit großer Unterstützung der Anrainer und der Gemeinde gegen so manchen Widerstand errichtet. Immer wieder informierte ich mich damals über den Stand des Baufortschritts und danach über die Erfahrungen im Betrieb dieser Anlage.

Nach der Eröffnung der Pflanzenkläranlage Hagenmühle im Jahr 2002 schlug ich einigen Kürnbergern vor, diese Anlage zu besuchen. Ernst Schwarzlmüller – der spätere Obmann – war bei dieser Besichtigung dabei und berichtete danach überzeugt: „Das ist auch für Kürnberg die richtige Anlage“.

Besichtigung anderer Anlagen

Kürnbergerinnen und Kürnberger bei der Besichtigung einer kleinen Anlage in der Steiermark

Kürnbergerinnen und Kürnberger bei der Besichtigung einer kleinen Anlage in der Steiermark

Zu dieser Zeit gab es keine Anlage in ähnlicher Größenordnung, die bereits längere Zeit in Betrieb war. Bei einer eigens organisierten Busfahrt im Sommer 2003 besichtigten viele Kürnbergerinnen und Kürnberger kleine Pflanzenkläranlagen in der Steiermark, die teilweise schon viele Jahre in Betrieb waren. Diese waren schon aufgrund der „energielosen Funktion“ und den daraus resultierenden niedrigen Betriebskosten bemerkenswert.

Bürgermeister a.D. Mag. Hans Heuras und Gemeinderäte bei der Besichtigung in der Steiermark

Bürgermeister a.D. Mag. Hans Heuras und Gemeinderäte bei der Besichtigung in der Steiermark

Beginn der Vorarbeiten

Noch im selben Jahr begann das Proponententeam unter der Leitung von Josef Schedlberger mit den Vorarbeiten zur Entstehung einer eigenen dezentralen Kläranlage in Kürnberg.

Die Herausforderung für die Planungsfirma war, den Betrieb einer 300 EW-Anlage zu planen, welche ohne Fremdenergie für Pumpen und Kompressoren funktioniert.

Über das natürliche Gefälle sollte der Kanalstrang des Ortes bis zur Kläranlage führen. Dieser Verlauf war nur durch die Unterstützung der Grundeigentümer möglich. Die Vorzüge einer genossenschaftlichen Lösung wurden auch hier deutlich.

Entstehung der AWG Kürnberg

Infoabend zum Betrieb unserer genossenschaftlichen Pflanzenkäranlage

Infoabend zum Betrieb unserer genossenschaftlichen Pflanzenkäranlage

Am 10. Februar 2004 und am 31. März 2004 wurden von DI Schmeißl die Konzepte zur Errichtung einer Kläranlage präsentiert. Da das Projekt bei den Ortsbewohnern von Kürnberg auf enorme Zustimmung stieß, wurde umgehend die Gründung der Genossenschaft in die Wege geleitet. Diese wurde dann am 28. Juni 2004 als „Abwassergenossenschaft Kürnberg“ gegründet.

Da die Wasserrechtsverhandlung erst im August 2004 war, konnte der Baubeginn ab 2005 ins Auge gefasst werden. Der Bau des Abwasserkanals und der Klärbecken wurde im Jahr 2005 rasch umgesetzt, sodass bereits Ende des Jahres die ersten Objekte angeschlossen werden konnten. Die Ableitung zum Vorfluter Ramingbach wurde 2006 fertig gestellt und die restlichen Objekte konnten angeschlossen werden.

Viele Kürnberger haben ihre Fähigkeiten bei der Umsetzung des Vorhabens eingebracht:

Beim Bau des Kanalstrangs, in der Errichtung der Bauwerke bei den Klärbecken, in der Abwicklung mit Förderstellen und Ämtern – alle arbeiteten für ihr genossenschaftliches Projekt. Das Ergebnis ist ein beeindruckendes Beispiel, wie eine gemeinschaftliche Abwasserentsorgung durch Unterstützung aller gelöst werden kann.

Bau des Klärwärterhauses – Das Kleinlabor und Geräte sind hier untergebracht.

Pflanzung des Schilfes auf den Klärbecken und Einrichten der Verteilerrohre

Pflanzung des Schilfes auf den Klärbecken und Einrichten der Verteilerrohre

 

 

 

 

 

 

 

Exkursionen und Besichtigungen

Unsere genossenschaftliche Kläranlage ist nicht nur in Österreich sondern auch im Ausland auf Interesse gestoßen. So konnten wir sogar Exkursionsgruppen aus Polen und aus aus dem Nahen Osten begrüßen.

Besuchergruppe aus Kärnten

Ausländische Exkursion im Jahr 2012

Ausländische Exkursion im Jahr 2012

Besuch der Volksschule Kürnberg mit Klärwärter Andreas Seirlehner

Über die BOKU Wien wurden auch ausländische Institutionen auf unsere energielose Abwasserreinigungsanlage aufmer

 

Ein besonderes Aliegen ist uns natürlich auch die Genossenschaftsmitglieder über diese Anlage zu informieren. Die Vermeidung von Fettentsorgung und nach Möglichkeit keine Feuchttücher sind nicht nur bei unserer Anlage ein großes Thema sondern auch bei anderen, viel größeren Anlagen eine Herausforderung. Aufklärung und Information sind daher laufend notwendig.

Bei einem Infotag kann die Anlage besichtigt und für ein geselliges Beisammensein genützt werden.

 

 

 

 

 

 

 

Die genossenschaftliche Pflanzenkläranlage Kürnberg ist jedenfalls ein Beispiel wie eine ökologische Abwasserentsorgung im ländlichen Raum durch Eigeninitiative mittels einer Genossenschaft umgesetzt werden kann. Dass die Betriebstkosten für jeden Haushalt sehr gering sind, spricht ebenfalls für diese Anlage.